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Zuerst könnenn Sie hier unsere kleine (lustige) Einleitung lesen...

 

   
 

Church-Shopping - auf der Suche nach der ,,richtigen" Kirche

 

Von Ron Benson

 
 

Zum ersten Mal in meinem Leben suche ich nach einer kirchlichen Bleibe. Eigentlich nicht nur ich.
Wenn es nur um mich ginge, so meine ich mittlerweile das Richtige gefunden zu haben.
Aber ich habe eine Familie.


 

 
 

Wir sind kein typischer Haushalt mit zwei Kindern, Eltern und Hund. Ich habe vier Kinder im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Meine Eltern sind vor zwei Monaten zu uns gezogen. Sie sind 84. Meine Frau und ich sind Ende Vierzig. Mein Hund ist sieben, in Hundejahren gezählt.

 

 
 

Vor einem Jahr habe ich mein Amt als Seelsorger aufgegeben. Nun sind wir alle auf der Suche nach einer Kirche, in der wir uns aufgehoben fühlen. Aufgewachsen bin ich als PK [Preacher's Kid/ Kind eines Pastors], so wie auch meine Frau, die ebenfalls in einer Freikirche aufwuchs; und dann war ich selbst mehr als 20 Jahre lang Pastor. Mein Vater und ich besitzen so etwas wie eine ,, Prediger-Sensibilität" - und auch unseren Frauen ist eine gewisse ,,Sensibilität von Pastorenfrauen" nicht abzusprechen. Meine Frau, meine Kinder und ich empfinden eine Art ,,Sensibilität von Pastorenkindern". Selbst mein Hund kann sich einer gewissen ,,klerikalen Hunde-Sensibilität" nicht entziehen.
Kurz gesagt: wir sind alle etwas übersättigt.
 

 
 

Wie gelingt es uns, die ,,richtige" Kirche zu finden?

Das ist nicht so einfach. Zunächst haben wir einige Parameter festgelegt:
 

 
 


K e i n e   M e g a k i r c h e n.  

Unsere Kirchensuche

Es war unser erster Besuch in einer Kirche. Auf dem weg ins Gotteshaus hatte man am einzigen Eingang weit und breit einen ,,Türposten" aufgestellt. Dort hatte sich bereits eine Schlange gebildet, weil der Mann, gut und gern in den Siebzigern, darauf bestand, jeden, der hereinwollte, zu umarmen und zu küssen. Kinder wurden geküsst und umarmt. Alte Männer wurden geküsst und umarmt. Hübsche junge Mädchen mit nacktem Bauchnabel wurden sichtlich herzlicher und länger geküsst und umarmt als meine Frau, meine Muter und meine Tochter. Die Küsse und Umarmungen, die ihnen galten, waren in keiner weise willkommen. Diese Kirche bezeichneten wir als ,,Kirche mit dem küssenden Alten". Nach vier Besuchen war das Verhalten des Türstehers uns gegenüber keinen Deut herzlicher als beim ersten Mal, so dass wir wieder gingen.

Auf meiner Liste strich ich die ,,Kirche mit dem küssenden Alten" mit einem roten Stift durch.


Ich weiß, es hört sich ganz und gar nicht geistlich an. Aber ich bin mein ganzes Leben ein spiritueller Mensch gewesen, und jetzt bin ich es, ehrlich gesagt, leid. Die ganze Sucherei ist also ziemlich egoistisch. Sie ist mit Fug und Recht als belanglos und individualistisch zu bezeichnen. Ich suche eine Kirche, die perfekt ist - für mich und die Meinen.

Herrje, was ist das ein gutes Gefühl, Laie zu sein!

Wir mögen keine Räumlichkeiten mit Videoapparaten an den Wänden, aus denen Film-Clips gesendet werden an Stelle von Live-Predigten.

K e i n e   T r e p p e n. Meine Eltern kommen die Treppen nicht hoch. Mein Vater ist auf eine Gehhilfe beziehungsweise einen Rollstuhl angewiesen. Keine Toiletten im Kellergeschoss. Mein Vater muss häufig zur Toilette.

K e i n e   a u ß e r g e w ö h n l i c h e n   G o t t e s d i e n s t z e i t e n. Meine Frau und ich schlafen nach 17.01 Uhr meist ein, wenn wir mehr als 28,5 Sekunden still sitzen. Um die ganze Mannschaft so wach zu kriegen, dass mir keiner mit ungekämmten Haaren, mit schlechtem Atem oder im Nachtgewand erscheint, wünschen wir uns einen Gottesdienst, der nicht vor 10.00 Uhr morgens stattfindet. Außerdem können wir auch nicht länger als 12 Uhr in der Kirche bleiben.

Also zogen wir aus, um die Kirche unserer Träume zu finden.


 

 

Ein anderes Mal kamen wir in eine Kirche, als gerade die Kirchen-Band spielte - ein Pop-Gottesdienst halt. Meine Frau und ich schauten auf das Programm und fanden Lieder, die wir gern singen. Meine Eltern schauten beunruhigt. Meine Kinder schauten gelangweilt. Wir saßen hinter einer kleinen alten Dame mit weißem Haar, die sich angelegentlich umdrehte und sagte: ,,Also, gewöhnlich sind hier mehr Leute, aber viele sind weggegangen zu den Greenfield-Baptisten wegen der lauten Karaoke-Musik, die jetzt hier läuft." Die Gitarre schlug vertraute Klänge an und die Band intonierte das bekannte Kirchenlied ,,Come, Now Is the Time to Worship".
Die kleine alte Dame vor uns weigerte sich mitzusingen. Desgleichen meine Eltern.

Ich malte ein rotes Fragezeichen an die ,,Karaoke-Kirche".
 

Bei anderer Gelegenheit erreichten wir eine Kirche ungefähr zu dem Zeitpunkt, zu dem der Gottesdienst beginnen sollte. Wir versuchten es mit der Tür, die dem Parkplatz am nächsten lag. Geschlossen. Wir gingen zu einer anderen Tür, durch die wir jemanden hineingehen sahen. Ich machte die Tür weit auf und stellte fest, dass dahinter nur Mülltonnen standen. Die Person, die wir meinten, dort hineingehen gesehen zu haben, war nicht aufzufinden. Wir gingen zu einer anderen Tür und traten ein. Es war dunkel. Eines meiner Kinder ging voran und ich hörte, wie einer von uns über etwas stolperte. ,,Aua!" Und dann führte eine Tür zu einer beleuchteten Küche. Wir gingen durch die Küche hindurch und orientierten uns an dem Lichtschein aus der offenen Tür, bis wir in die Eingangshalle gelangten. Schließlich waren wir so nah an den Kirchenraum vorgedrungen, dass wir einen Türsteher fanden. Er begrüßte uns mit besorgtem Blick auf den Rollstuhl. ,,Wir gehen besser einen anderen Weg", sagte er. Er leitete uns von den Haupteingängen im hinteren Teil zu einem kleinen Nebeneingang. Während der Pastor die Ankündigungen verlas, wurden wir direkt hinter der Orgel auf der rechten Podiumsseite hereingeführt. Fast hätte ich der Menge majestätisch-huldvoll zugewinkt, als wir im Gänsemarsch hinter dem Türhüter her marschierten, um die speziell für uns bestimmten drei Bankreihen hinten in der Kirche einzunehmen.

Auf meiner Liste vermerkte ich ,,rechtzeitig ankommen" neben den Eintrag ,,Kirche ohne Eingang".


 

Stalker, die sich für Damentoiletten interessieren, werden immer in die vorderste Reihe gesetzt

Nach diesen Erfahrungen begann ich, Kirchen an Wochentagen aufzusuchen, so dass ich eine Eingangsstrategie aufstellen und die Toilettenräume ausfindig machen konnte.

 

 

So kam ich an einem Freitag in eine charismatische Kirche. Die Sekretärin war offen und freundlich und zeigte mir auch die Toiletten. Am Sonntag eilten wir dorthin. Wir waren spät dran - wie üblich! Während die übrige Familie den Kirchenraum betrat, steuerte ich direkt die Toiletten an. Ich hatte mir nicht die Zeit genommen, all den Kaffee loszuwerden, den ich zuvor getrunken hatte. Ich erinnerte mich, wohin die nette Sekretärin mit ihrem charismatischen Finger gezeigt hatte, und machte eilig die Tür auf. Beim Eintreten sagte eine weibliche Stimme in der Eingangshalle ,,warten Sie ...!" Aber ich ging trotzdem hinein. Ich war kaum drin, als ich blitzschnell registrierte:

1.) das hübsche Interieur,
2.) der Duft nach Parfüm und Haarspray,
3.) eine Frau, die gerade aus einer Kabine herauskam und mich entsetzt mit weit aufgerissenen Augen ansah.

,,Oh Mann", sagte ich und verließ schleunigst die Damentoilette. Ein Damentrupp hatte sich an der Tür gebildet, im Begriff, hereinzustürmen und die Kollegin zu retten. Und ich musste immerfort Entschuldigungen murmeln, um dem kleinen Lynchmob, der sich dort versammelte, gerade noch zu entkommen. Entsetzlich. Nachdem ich die richtige Toilette gefunden und benutzt hatte, schloss ich mich meiner Familie im Foyer an und wir gingen hinein.
Der Kirchenraum war voll besetzt, und während die charismatische Band ein getragenes Loblied spielte, das unsere Herzen auf das wirken des Geistes vorbereiten sollte, führte uns ein junger Türsteher den Gang hinunter, von den hinteren Kirchenbänken bis zur vordersten Reihe. Ich fühlte die Blicke aller Kirchenbesucherinnen auf mich gerichtet und meinte, jemand hätte ,,ein Perverser!" geflüstert, als wir unsere Plätze einnahmen - direkt vor der Nase des Pastors und nur wenige Zentimeter von den Utensilien für das Abendmahl entfernt, denn es war der erste Sonntag im Monat. Aus irgendeinem Grund endete die Predigt, die mit der Vorbereitung auf das Abendmahl begonnen hatte, mit einem Kapitel aus dem dritten Buch Mose über sexuelle Versündigungen gegen das Gesetz. Ich konnte mich des Gefühls nicht erwehren, an diesem Tag nicht wert zu sein, das Brot zu essen und den Kelch zu nehmen. Aber ,,Stalker in Damentoiletten" waren im dritten Buch Mose doch gar nicht erwähnt, oder?

Später, als ich wieder zu Hause war, strich ich ,,charismatisch" von meiner Kirchenliste.
 

Bei unserem zweiten Besuch trat eine Jugendgruppe der Kirche auf, die soeben von einer kurzen Missionsreise nach Bornen zurückgekehrt war. Die Jugendlichen führten irgend so ein Karaoke-Stück und ein paar Straßentänze auf und erzählten, wie echt beglückt sie wären, also echt, von dieser Zeit, die sie sich echt für Gottes Werk eingesetzt hätten. Der Pastor predigte die Woche nicht, echt nicht.
Bei unserem dritten Besuch war der Pastor wegen eines Todesfalls in der Familie nicht anwesend, so dass man in letzter Minute einen Lutheraner als Kanzelfüller hergebeten hatte. Der redete über die Bäume und die Bienen und die Blumen und entließ uns eine Viertelstunde vor der Zeit.
Unser Essen war schon bestellt, bevor die Presbyterianer ihre Autos vor dem beliebtesten Restaurant des Stadtviertels hatten parken können.

 

 
 

Bei unserem vierten Besuch predigte der Pastor. Wir sehnten uns nach einem Missionar aus Borneo oder nach einer Jugendgruppe, echt, oder wenigstens nach einem Lutheraner. Wir verstanden, warum die Gemeinde den Pastor ermutigte, anderen das Reden zu überlassen.

Ich schwöre, dass wirklich das meiste der Wahrheit entspricht: Ich habe einige unserer Erfahrungen kurz zusammengefasst und manches nur ein bisschen spaßig dargestellt.
Das geht nun schon neun Monate so. Wir haben immer noch keine Kirche gefunden.
Ich überlege schon, den Gottesdienst mit meiner Familie im eigenen Heim zu halten, vielleicht ergänzt durch eine Sonntagvormittagsandacht im Fernsehen - etwa eine Sendung wie aus der bekannten Crystal Cathedral.
Zumindest wüsste ich dann, wie ich um das Gebäude herum komme. Und das Toilettenproblem wäre auch gelöst. Umarmungen und Küsse gäbe es nur, wenn uns danach zumute wäre. Und wenn ich in meinem Schlafzimmer bliebe, könnte ich sogar nackt zur Kirche gehen.

Herrje, ist das ein gutes Gefühl, Laie zu sein!

Ron Benson lebt an einem nicht näher genannten Ort seine Familie wäre am liebsten ganz anonym geblieben. Vielleicht freut Sie zu hören, dass die Bensons mittlerweile eine Kirche gefunden haben, in der sie sich wohl fühlen und Ron genau weiß, wo die Toiletten sind. Ron hat verschiedenen Konfessionen seine Beratungsdienste als ,,geheimer Church-Shopper" angeboten.

Bisher wurde er noch nicht angefordert.
 

 
   
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